Hey Leute,

Heute möchte ich euch mal ein wenig über die Konzertfotografie berichten, wie soetwas abläuft, was man alles dabei haben muss und worauf man achten sollte bei  solch einem Shoot. Ich hoffe es gefällt euch und Ihr könnt einiges mitnehmen auf das nächste Konzert.

LG Kim

 

Inhalt:

1.Organisatorisches
2.Ausrüstung
3.Vorbereitung
4.Der Shoot
5.Rechtliches

 

1. Organisatorisches

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Jeder Gute Fotograf der etwas von sich hält, stellt sich nicht einfach in einem Konzert vorne hin und fängt an wild drauf los zu knipsen. Zuerst einmal sind Organisatorische Dinge zu klären. Darf ich auf diesem Konzert überhaupt ohne weiteres Fotografieren oder brauche ich dazu eine Berechtigung? Was muss ich hierbei beachten? usw. Als erster Anlaufpunkt sollte immer der Veranstallter sein, denn dieser wird euch sagen können was ihr benötigt um auf seinem Konzert fotografieren zu dürfen und an welche Regeln Ihr euch halten solltet. Dies geschieht durch eine sogenannte Akkreditierung. Ohne eine Akkreditierung darf auf Konzerten nicht kommerziell fotografiert werden. Eine Akkreditierung muss nicht immer über ein speziellen Fotoshooting Vertrag geregelt werden, bei kleineren Bands wird dies meistens über eine E-mail mit der Bitte um Akkreditierung für Fotos geregelt. Bei Größeren Bands, Musikern, gibt der Veranstaltung solch einen Vertrag vor an den sich der Fotograf zu halten hat. Es darf zb nur während der ersten drei Songs fotografiert werden und meistens ist Blitzlicht dabei verboten, manchmal darf hier auch nur aus einem bestimmten Bereich fotografiert werden wie zb dem Fotograben, bei Comedians zb nur von den äusseren Seiten und nicht von der Bühne oder der Mitte, damit man die Zahlenden Gäste nicht stört. Dies legt aber der Veranstalter immer individuell fest.

Wer die Songs der Band kennt, ist meistens im Vorteil, da er abschätzen kann wie sich die Band verhält, wann der Sänger ans Mikrofon tritt oder bestimmte Solos gespielt werden. Wer die Band zudem noch selbst kennt hat nochmals einen kleinen Vorteil, denn der kann die Band gegebenfalls bitten, manchmal in die Kamera zu schauen und sich kurz nicht zu bewegen.

 

 2. Ausrüstung

Was Ihr unbedingt mitnehmen solltet:

  • Digitale Spiegelreflexkamera
  • mind. 1* 50mm Festbrennweite Objektiv
  • 1 Objektiv zwischen 90-120mm Festbrennweite
  • oder ein Lichtstarkes Zoomobjektiv z.B. 70-200mm f/2.8
  • Ersatz-Akkus
  • Ersatz-Speicherkarte
  • Reinigungstücher
  • Ohrenstöpsel

Die Kamera und Zubehör erklärt sich von selbst, bei den Objektiven solltet Ihr darauf achten, dass sie möglichst Lichtstark sind. Mindestens sollte eine Blende von 1:2.8 auf dem Objektiv möglich sein. Je nach Größe der Konzertlocation muss die richtige Brennweite gewählt werden. In kleineren Locations reicht ein Objektiv mit 50mm und ein 80mm Brennweite. In größeren Hallen oder Festivals mit Pressegraben sollte man schon ein 80mm und ein 120mm Objektiv dabei haben.

3. Vorbereitung

Wichtiges Kriterium ist die Pünktlichkeit. Es ist immer entspannender wenn man rechtzeitig vor dem Konzert die Location begutachtet und sich die besten Plätze sucht von denen man fotografieren kann. Evtl sieht man die Band auch noch Soundcheck machen und erkennt dann dabei wo gegebenfalls störende Pfeiler sind oder wie das Licht auf der Bühne wirkt. Ein besonders guter Platz ist meistens rechts oder links am Rand der Bühne. Von dort aus stört der Fotograf die Besucher nicht zusätzlich werden die Nasenlöcher des Sänger nicht von unten fotografiert. Bei größeren Veranstaltungen gibt es einen Fotograben, dies erleichtert die Platzsuche und ermöglicht auch das Fotografieren des Publikums. In diese Fotogräben dürfen jedoch nur akkreditierte Fotografen und Journalisten.

4. Der Shoot

IMG_1416 als Smartobjekt-1Die Band tritt auf die Bühne und es ist die Zeit gekommen loszulegen. Generell sollte man darauf achten dass man am Besten keinen Blitz verwendet, dieser Irritiert nur die Band und macht die Lichtstimmung zu nichte. Bei größeren Konzerten kann der Blitz sogar im Akkreditierungsvertrag verboten werden. Wenn Ihr jedoch einen Blitz nutzen wollt dann bitte nur als Aufhellblitz auf dem zweiten Verschlussvorhang („Rear“) um das Gegenlicht auszugleichen. Die Blitzleistung sollte dabei um bis zu 3 Stufen verringert werden, damit wie oben schon genannt die Atmosphäre erhalten bleibt. Ebenso nervig ist das Fokushilfslicht (sollte zwingend ausgeschalten werden) wenn die Kamera ohne das nicht exakt und schnell fokussieren kann, ist sie für die Konzertfotografie so oder so nicht geeignet.

Wenn man nun ohne Blitz fotografiert bleibt einem nur eins übrig um eine bessere Ausleuchtung zu bekommen, den ISO-Wert erhöhen. Unter ISO 800 ist das Fotografieren eher eine Qual, viele fotografieren auch mit ISO 1600. Hier spielt eine Vollformat Kamera, wie die Canon 5D oder höher, ihren Vorteil aus, da die Fotos bei diesen Werten weniger rauschen als welche mit kleinerem Sensor. Die verschiedenen Farblichter der Bühne bringen immer andere Effekte. Blaues oder grünes Licht führt nicht so schnell zur Überbelichtung wie das Rotlicht, wobei dieses die menschliche Haut zarter, dynamischer und aggressiver erscheinen lässt.

Bei der Konzertfotografie sollte ausschließlich im RAW Format fotografiert werden und am besten immer 1 Blende unterbelichten. Vorteil ist dass sich die Verschlusszeiten dadurch verkürzen und bei der späteren Bearbeitung des RAW Formates kann von einem unterbelichteten Foto meist mehr „gerettet“ werden als bei einem überbelichteten.

Um eine gute Schärfe der Musiker hinzubekommen sollte die Belichtungszeit zwischen 1/100 und 1/160 ausgewählt werden. Bei einem Open Air oder Festival Guten Wetterbedingungen und Hellem Licht kann auch eine Belichtungszeit von 1/250 ausgewählt werden. Manchmal kann es auch wegen der Dunkelheit zu Problemen mit dem Autofokus kommen, weil er den Schärfepunkt nicht findet. Wer dann mit dem Manuellen Fokus sich gut zurecht kommt hat einen überlegenden Vorteil.

Wer das erstemal auf einem Konzert ist sollte vorher mal ein paar Musikmagazine lesen und sich so einen Eindruck verschaffen in welchen Posen oder aus welcher Richtung ein gutes Foto enstehen kann. Man sollte aber auch nicht vergessen mal das Publikum zu fotografieren und Details einzufangen. Auch beim Auf und Abbau können sehr gute Bilder entstehen, besonders wenn das die Band noch selbst erledigt.

5. Rechtliches

IMG_1108 als Smartobjekt-1Beim Fotografieren von Menschen müssen einige Regeln bei der Veröffentlichung der Bilder beachtet werden. Jeder Mensch hat sein „Recht am eigenen Bild“. Es gibt aber auch Ausnahmen, diese sind absolute oder relative Personen der Zeitgeschichte. Ersteres sind Personen, die immer berühmt sind, wie Präsidenten, der Papst oder besonders bekannte Popstars wie Madonna, Micheal Jackson, die Rolling Stones etc. Relative Personen der Zeitgeschichte hingegen sind Menschen, die nur „manchmal“ berühmt sind, weil sie etwa eine Auszeichnung überreicht bekommen oder eben ein Konzert geben. Für redaktionelle Zwecke dürfen Bandfotos in der Regel genutzt werden, also um einen Artikel über das Konzert zu bebildern. Eine Akkreditierung (siehe oben) ist jedoch Voraussetzung. Einige große Bands oder Musiker (Moby, Robbie Williams, Rolling Stones) versuchen jedoch, mit Knebelverträgen den Fotografen Auflagen zu machen, was die Nutzung der Bilder angeht. Da hilft es nur, die Verträge aufmerksam zu lesen und im Notfall nicht zu unterschreiben – und dann auch auf Fotos zu verzichten. Für eine kommerzielle Nutzung der Fotos ist normalerweise eine schriftliche Erlaubnis des Veranstalters und der Band notwendig. Anderstrum gilt natürlich, dass Bands, die deine Fotos benutzen wollen, dein Urheberrecht an den Fotos beachten müssen, die Bilder also ebenfalls nicht ohne Deine Erlaubnis nutzen dürfen.

Weitere Infos zu den rechtlichen Dingen sind Websiten wie www.fotorecht.de zu empfehlen.

LG Kim